Rezension zu „Ehe ich’s vergesse“ von Peter Pitsch



Ich habe dieses Buch mit etwas gemischten Gefühlen zur Hand genommen. Moderne Lyrik? Kann ich damit etwas anfangen? Ich gehöre ja zur älteren Generation und Lyrik, also Gedichte, waren für mich bisher untrennbar mit Reimen und einem bestimmten Versmaß verbunden.

Aber ich bin ja von Natur aus neugierig. Also habe ich mich auf dieses Experiment eingelassen und ich gebe gern zu, es hat mich gepackt.

Als Erstes sind mir die Fotos aufgefallen, allesamt von Peter Pitsch selbst aufgenommen, der auch das Cover gestaltet hat. Morbider Charme, unerwartete Perspektiven, das alles macht neugierig auf die Texte.

Gleich das erste Gedicht ist zweisprachig in dänisch und deutsch Anna Telling gewidmet. Gott sei Dank gibt es am Ende eine ausführliche Vita. Sie muss eine beeindruckende Frau gewesen sein. Der Text hat mich sehr berührt.

In den lyrischen Texten von Peter Pitsch steckt für mich eine Menge Melancholie, teilweise Trauer und Wut, aber auch Hoffnung. Man muss sie auf sich wirken, sich darauf einlassen, dann bringen sie Saiten zum Klingen, von denen man nicht ahnte, dass sie überhaupt da sind.

Ich habe meinen Ausflug in die moderne Lyrik jedenfalls nicht bereut und wünsche mir und dem Autoren Peter Pitsch, dass sich noch mehr Menschen auf das Wagnis einlassen, etwas zu lesen, was irgendwie abseits des Gewohnten und Erwarteten liegt.

 

©Renate Behr 2017


Rezension zu "Im Banne des Imhotep" von

Thomas W. Krüger


Band 2 der Katrin Jäger History Crime Reihe

 

Katrin Jäger, die in Band 1 der Reihe noch als Privatdetektivin gearbeitet hat, ist zurück beim LKA. Ein mysteriöser Raubüberfall auf einen Werttransport sorgt für Aufsehen. Ein Staatssekretär der hessischen Landesregierung rekrutiert Katrin Jäger, um die Ermittlungen zu leiten. Ihr Weg führt sie nach Ägypten, wo sie gemeinsam mit einem amerikanischen CIA-Agenten undercover ermittelt. Wie schon in Band 1 gerät wieder Jana Wagner, Katrins Nichte und Tochter eines anerkannten Archäologen, in den Strudel gefährlicher Ereignisse. Ausgrabungen, Grabräuber, ein seltsamer kleiner Junge und ein Skarabäus aus Edelsteinen, den Jana von ihm geschenkt bekommt, sorgen für den passenden Hintergrund für eine spannende Reise in die Vergangenheit Ägyptens. Intrigen, Morde und ein Maulwurf in den höchsten amerikanischen Behörden bringen nicht nur Katrin Jäger, sondern auch ihre Familie in Deutschland in höchste Gefahr.

 

Thomas W. Krüger zeigt sich wieder einmal als ausgezeichneter Kenner der Geschichte. Schon der Prolog entführt den Leser in die Vergangenheit der Pharaonen und eines großen ägyptischen Baumeisters, dessen Rätsel Ägyptologen aus aller Welt in die Nekropole von Sakkara locken. Die Verknüpfung von historischen Ereignissen und Persönlichkeiten mit einem Kriminalfall der Gegenwart ist perfekt gelungen. Das Buch entwickelt eine atemberaubende Geschwindigkeit mit einem gleichmäßig hoch gehaltenen Spannungsbogen.

Die Protagonisten, teilweise aus dem ersten Band der Reihe schon bekannt, sind dem Leser sofort vertraut. Es ist nicht notwendig, Band 1 gelesen zu haben, denn die Geschichten sind komplett in sich abgeschlossen. Durch einige Verweise führt der Autor den Leser aber dazu, dass der Wunsch entsteht, die vorgegangene Geschichte ebenfalls zu lesen.

Fazit: Die Katrin Jäger History Crime Reihe von Thomas W. Krüger hält mit dem zweiten Teil das, was der erste versprochen hat. Spannende Unterhaltung, viele lehrreiche historische Hintergründe und damit ein Buch, das man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Ich bin mir jetzt schon sicher, dass mich auch der dritte und letzte Band genauso in seinen Bann ziehen wird.

©Renate Behr, 2017


Rezension zu „Im Schatten von Golgota“ von

Thomas W. Krüger


Die ehemalige LKA-Beamtin Katrin Jäger arbeitet als Privatdetektivin und hat den Auftrag, eine seltene Ikone zu kaufen. Bei der geplanten Übergabe in Limburg kommt es zu einer Schießerei, der mehrere Männer zum Opfer fallen. Die Ikone jedoch ist verschwunden. Katrin verliert ihren Job und gerät in die Ermittlungen der Polizei unter der Leitung ihres ehemaligen Lebensgefährten Markus Hansen. Alles scheint mit dem Grab von Karl dem Großen im Aachener Dom verbunden zu sein. Reliquien von der Kreuzigung Jesu spielen eine große Rolle. Katrin, ihre Familie und zwei junge Studentinnen, die die Detektivin in Aachen kennenlernt, geraten in große Gefahr. Finstere Mächte bedrohen die gesamte Menschheit und selbst der Geheimdienst des Vatikan ist involviert.


Mehr möchte ich zu dem Roman eigentlich gar nicht verraten. Auf der Nibelungen-Buchmesse in Worms 2016 habe ich mir die dreiteilige Romanreihe gekauft, bin aber erst jetzt dazu gekommen, mit dem Lesen anzufangen.


Die Verbindung von realen historischen Ereignissen mit einer fiktiven Geschichte ist dem Autoren Thomas W. Krüger ausgezeichnet gelungen. Die Protagonisten schildert er so eindrucksvoll, dass man vom ersten Satz an meint, ihre Gedanken und Gefühle real mitzuerleben. Auch, wenn das Buch gleich mit einem spannungsgeladenen Part beginnt, baut sich die gesamte Geschichte langsam, aber sehr fließend auf. Dem Leser ist es kaum möglich, sich auf eine bestimmte Richtung oder einen Täter festzulegen, so ausgeklügelt sind die Intrigen, die dem Roman ihren Stempel aufdrücken.


Historie und Mythologie in einen Kriminalroman einzubauen, erfordert mit Sicherheit eine sehr gründliche Recherche. Bauwerke wie der Aachener oder der Kölner Dom, in denen Ausgrabungsarbeiten Licht in das Dunkel bringen sollen, werden sehr exakt und detailgetreu beschrieben. Der Schreibstil selbst ist flüssig und kommt ganz ohne Effekthascherei aus.


Fazit: „Im Schatten von Golgota“ ist der erste Band der Katrin Jäger History Crime Reihe. Der Fall, um den es geht, ist aber in sich abgeschlossen und lässt beim Leser keine Fragen offen. Stellenweise fiel es mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Dem Autoren ist es gelungen, Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen, sodass ich nun sehr gespannt auf die beiden Folgebände bin. Hinter mir liegt jedenfalls eine Lesezeit, die mich ausgezeichnet unterhalten hat.

Rezension zu "Shy Black - Ice under Fire" von Carol Grayson

             

 Shy Black, ein ehemaliger Stuntman aus Los Angeles, ist Privatdetektiv und er ist schwul. Als eines Tages der Versicherungsagent Richard Norton mit einem blutverschmierten Bettlaken in seinem Büro auftaucht, ahnt der gut aussehende junge Mann noch nicht, dass er vor dem interessantesten, aber auch gefährlichsten Auftrag seiner bisherigen Karriere steht. Norton war mit seiner Geliebten, der Ehefrau des undurchsichtigen Bankiers Elias Lakehurst, in einem Hotel verabredet gewesen. Von seiner Geliebten fehlt jede Spur, nur das blutige Laken deutet auf ein Verbrechen hin. Shy Black beginnt seine Ermittlungen, die ihn unter anderem in das Haus von Elias Lakehurst führen. Dort lernt er dessen persönlichen Assistenten Irvine kennen, der ebenfalls schwul ist. Aber vor der Gefahr, in der sich Nora Lakehurst und später auch Richard Norton befinden, ist die persönliche Anziehungskraft zwischen den beiden Männer zunächst bedeutungslos.

 

Auf dem Buchcover steht „Eine Gay Crime Story“.  Das Genre Gay-Literatur war mir bisher völlig fremd. Ich habe dieses Buch bei einem Gewinnspiel der Autorin gewonnen und ich gebe gern zu, dass ich mich der Story zunächst mit etwas gemischten Gefühlen genähert habe. Vorgefunden habe ich eine gut und schlüssig erzählte Kriminalgeschichte, die völlig ohne Affekthascherei auskommt. Die zugegeben etwas kurze Geschichte (75 Seiten) ist spannend aufgebaut und beschreibt die einzelnen Protagonisten stimmungsvoll. Carol Grayson ist das Pseudonym der Autorin und Musikverlegerin Carola Kickers. Sie hat bereits eine ganze Reihe von Romanen im Genre Mystery, Dark Fantasy und Vampirstorys veröffentlicht, schreibt aber auch Kriminalgeschichten. Alle ihre Bücher bewegen sich im Genre der Gay-Literatur. Das wird  vermutlich einige Leser davon abhalten, zu diesen Büchern zu greifen. Das ist – und das weiß ich jetzt aus eigener Erfahrung – mit Sicherheit ein Fehler.


„Shy Black – Fire under Ice“ ist im Brighton Verlag als Taschenbuch erschienen.

ISBN-Nr. 978-3945033517, Preis € 9,90

Der Fluch von Fort Henry - Ronda Baker-Summer ❀ ❀ ❀ ❀

Der Fluch von Fort Henry

Ronda Baker-SummerTraumfänger VerlagGebundene AusgabeISBN 978-3-941-48522-8Preis: 16,50 €Professor Lawrence Winters macht sich gemeinsam mit 16 interessierten Drittsemestern auf den Weg nach Kingston. Dort soll er in diesem Jahr im lebenden Museum von Fort Henry den Colonel Peter James spielen, der im Jahre 1859 die oberste Hand über das Leben der Menschen im Fort hatte. Bevor die Gruppe allerdings ihre Sommerarbeit im Fort aufnimmt, machen sie sich mit dem Leben von damals vertraut. Der wissbegierige Duncan stößt dabei auf alte Unterlagen einer Gerichtsverhandlung, in der ein Schamane der Ojibwe zum Tode durch Erhängen verurteilt wurde und das vollkommen zu Unrecht. Duncan findet heraus, dass Anashibene, der Schamane, einen Fluch über den Colonel und seine Nachkommen ausgesprochen hat. Sehr empfänglich für solch übernatürlichen Dinge, verbeißt sich Duncan in eine fixe Idee. Das er damit sogar bald Recht behalten soll, das ahnt er wenige Tage nach Ankunft im Fort. Denn plötzlich verschwindet einer der Studenten..."Der Fluch von Fort Henry" ist als Thriller ausgeschrieben und wird diesem spätestens mit Erkennen des Mörders gerecht. Zu Beginn läuft der Plot leicht plätschernd von Seite zu Seite. Das soll keine Abwertung sein, aber hier und da wurde ich auch mit den Mitwirkenden nicht wirklich warm. Das änderte sich allerdings schlagartig, als der Leser eine erste Ahnung hat, wer hinter all den dunklen Dingen stecken könnte. Diese dunkle Gestalt ist sehr gut gezeichnet und durchaus sehr glaubhaft. Der Detective ist ebenfalls ein Charakter, der sehr sympathisch und als enthusiastisch in die Szenerie eingearbeitet ist. Marie-Jo und ihre Großmutter als Nachfahren von Anashibene sind, obwohl unterschiedlich gezeichnet, sehr authentisch. Duncan als einer der Hauptfiguren ist da etwas weniger durchsichtig. Erscheint er in dem einen Moment fast ein wenig naiv, entwickelt er im nächsten Moment sogar so etwas wie Heldentum. Ronda Baker-Summer hat einen unkomplizierten Schreibstil, der mit guten Satzlängen, einfacher Wortwahl und gut gewählten Abschnitten einen flüssigen Lesestil zulässt. Wird der Spannungsbogen des Plots am Anfang vielleicht sehr flach gehalten, so spannt Ronda Baker-Summer diesen nach einigen Seiten so sehr, dass sich das Buch zum Ende hin noch als kleiner Pageturner zu entpuppen vermag. Sowohl im Vorwort als auch am Ende der Geschichte versorgt Frau Baker-Summer den Leser mit einigen Informationen rund um das Fort und die Stadt Kingston, aber nur so viel, dass beim Leser der Wunsch nach mehr bleibt. "Der Fluch von Fort Henry" ist ein Thriller, der sich entwickelt, einige Informationen zur Historie bereit hält und vor allem durch die vielen verschiedenen Charaktere lebt. Das soziale Leben der Native People in "Der Fluch von Fort Henry" wird kritisch betrachtet und dem Leser entgegen gebracht, das die heutigen Natives eben nicht im Tipi leben, sondern alltägliche Probleme meist stärker zu bewältigen haben, in einer Welt in der sie nach wie vor diskriminiert sind. Deshalb ist dieses Buch nicht nur Lesern zu empfehlen, die sich mit dem Leben der First Nation beschäftigen wollen, sondern auch all denjenigen, die ein vorgefertigete Meinung über diese vertreten.Ronda Baker-Summer ist das Pseudonym von Renate Behr.  Sie wurde 1954 geboren und schreibt als freiberufliche Texterin und Autorin vorwiegend Romane und Kurzgeschichten. Dennoch ist sie in ihrer Schreiberei sehr vielseitig und hat diverse Veröffentlichungen auch in Anthologien erreicht. An "Der Fluch von Fort Henry" hat sie ca. 3 Jahre intensiv gearbeitet, bis dieser schließlich im November 2013 im Traumfänger Verlag erschienen ist.

Eingestellt von

Buchgefieder

Anonymus’@

Publiziert auf www.geisterspiegel.de am 30. August 2012

Von Wolfgang Brandt

 

Renate Behr

Anonymus@

Candela Verlag, Korb - Taschenbuch 

erschienen im Oktober 2011

210 Seiten, 11,90 Euro

ISBN: 9783942635202

 

                                                          

Den Einwohnern der Kleinstadt Werne an der Lippe steht ein ruhiger Sommer bevor. Auch Kommissar Jens Wischkamp ist mit ein paar grausam zugerichteten Katzen, deren Einzelteile mysteriöse Botschaften bilden, nicht sonderlich beschäftigt. Doch dann werden erste menschliche Leichenteile nach dem gleichen Muster gefunden, seltsame E-Mails eines gewissen Anonymus’@ weisen auf weitere Taten hin. Für Wischkamp und seine Kollegen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Als sie endlich erkennen, womit sie es zu tun haben, ist es fast zu spät – der Täter hat bereits sein nächstes Opfer im Visier … Kommissar Wischkamps vierter Fall führt in die psychischen Abgründe eines Täters, der ungewollt immer mehr Gefallen an seinen Taten findet – kann Wischkamp den geheimnisvollen Anonymus’@ rechtzeitig stoppen?

Die Autorin Renate Behr geht im 4. Fall des Kriminalkommissars Wischkamp der Frage nach, wie krank und durchgeknallt ein Mensch werden kann bzw. schon ist, um eine Straftat zu begehen. Zugegeben, die Geschichte braucht ihre Zeit, um spannend zu werden, doch je weiter man das Treiben des Anonymus verfolgt, desto interessanter und fesselnder wird sie.
Ein kleines Verwirrspiel im Roman irritiert beim Lesen ein wenig, doch gelingt es der Autorin von Beginn an, den Leser mit auf die Reise in die psychischen Abgründe eines Täters zu nehmen. Zu weit hergeholt? Mitnichten! Es gibt nicht wenige Menschen, welche keine normale Beziehung zu ihrem Kind aufbauen können. Viele von ihnen leiden selbst noch an der kaum erfahrenen elterlichen Zuwendung und können dadurch bedingt ihre eigenen Bedürfnisse nicht ausleben. Dieser Frust wirkt sich negativ auf die Mutter-Kind-Beziehung und der damit einhergehenden persönlichen Entwicklung des Kindes aus. Gründe für das Abweichen von der Normalität liegen meistens in der Vergangenheit. Rachegedanken für all das, was einem widerfahren ist, kommen auf. Und so auch für den Täter in Anonymus’@.

Fazit:
Renate Behr bedient sich für ihren Krimi einer bekannten Methode, wonach ein Täter auf der Grundlage eines Romans agiert. Stilistisch gut setzt sie ihre Handlungsträger in Szene und beschert uns eine durchaus glaubhafte Storyline, die sich so oder ähnlich zugetragen haben könnte.

Copyright © 2012 by Wolfgang Brandt