Interessantes rund um das Lesen und Schreiben         

Lesung bei der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft in Dartmouth, Nova Scotia am 17.8.2016







Es war eine tolle Atmosphäre im Wohnhaus von Christine Höhne, der Vorsitzenden der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft Nova Scotia in Dartmouth.

Wir (mein Mann, meine Freundin und ich) waren schon eine Stunde vor Beginn der Lesung dort. Von Christine Höhne und Julia Pörtner, der Leiterin der Deutschen Schule in Halifax, wurden wir freundlich begrüßt. Das Anwesen von Christine Höhne liegt unmittelbar am Ufer des Lake MicMac, den sie liebevoll als "meinen See" bezeichnet. Es war Zeit genug, noch ein wenig am Wasser zu stehen und die zauberhafte Umgebung zu genießen.

Kurz vor 19 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Leider waren nur sieben Damen da, denn es ist Ferienzeit in Kanada. Aber diese sieben Damen haben gebannt dem gelauscht, was ich vorgelesen habe.

Begonnen habe ich mit dem Prolog aus "Der Fluch von Fort Henry", einem Roman, den ich im Traumfänger Verlag veröffentlicht habe. Nach dem Prolog gab es eine Szene aus der Gegenwart, die einen spannenden Abschluss hatte und hoffentlich einige Zuhörerinnen neugierig gemacht hat. Eines dieser Bücher wird jedenfalls im nächsten März die Reise nach Wien antreten und dort verschenkt.


Nach einer kurzen Pause mit sehr intensiven Gesprächen habe ich mich der Ronda Baker History Crime Reihe aus dem Brighton Verlag zugewandt. Auch hier herrschte gespanntes Schweigen und alle Augen waren aufmerksam auf mich gerichtet. Ein Video dazu wird es in Kürze auf youtube geben.


Für mich als Autorin war diese Lesung eine echte Herausforderung. Es war mein erster Auftritt im Ausland, und dann gleich Kanada. Unter den Zuhörerinnen befanden sich gleich drei Sprachwissenschaftlerinnen. Gut, dass ich das erst während der Lesung erfuhr und nicht schon vorher. Es hätte meine Nervosität sicher deutlich gesteigert, wenn es anders gewesen wäre.


Eine Frage bewegte die drei Damen, die an der Universität von Halifax und an der deutschen Schule lehren: Warum darf man in Deutschland Indianer noch Indianer nennen? In Kanada ist das offensichtlich politisch nicht korrekt und wird als Diskriminierung betrachtet. Ich habe versucht zu erklären, dass dieser Begriff zumindest in der deutschen Literatur aber nicht mit Nachteilen behaftet ist. Julia Pörtner stand mir da ein wenig zur Seite.


Im Nachhinein habe ich dazu eine interessante Entdeckung gemacht: Wir waren im Heritage Center der MicMac-Indianer nahe bei Truro.Auf fast allen Schautafeln werden die Native Americans als Indians, also als Indianer bezeichnet. Wenn sie sich selbst noch so nennen, kann das in meinen Büchern also so falsch nicht sein. Und mal ganz ehrlich: Wie klänge denn zum Beispiel ein politisch korrekter Satz, wenn ich schreiben würde: Der alte Native American schloss die Augen und überlegte. Ich finde, da klingt "der alte Indianer" viel besser und auch viel authentischer.


Ich hoffe sehr, dass ich eine solche Erfahrung, im Ausland vor deutschsprachigen Menschen lesen zu dürfen, noch einmal machen darf. Es war ein unvergessliches Erlebnis.




        

Ein interessanter Vortrag über die menschliche DNA


Am 2. Februar gab es in der Reihe „Campus Live“ der VHS in Hamm in Westfalen einen Vortrag mit dem Titel „Warum ein Dieb nicht spurlos verschwindet“. Der Referent war Dr. Carsten Hohoff, Biochemiker im Institut für forensische Genetik in Münster.

Als Autorin von Kriminalromanen interessiert mich das Thema natürlich sehr und also bin ich abends nach Hamm gefahren. Ich war erstaunt, wie viele Leute da waren. Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass nicht alle diesen teilweise hoch wissenschaftlichen Vortrag tatsächlich verstanden haben.

Als Erstes erklärte Herr Dr. Hohoff anhand von Folien die Zusammensetzung der menschlichen DNA. Er erläuterte auch, warum teilweise – besonders in Fernsehsendungen, aber sicher auch in Büchern – von DNS die Rede ist. Im Grunde ist es ein und derselbe Begriff, nur einmal auf Englisch mit dem A für Acid und einmal auf Deutsch mit dem S für Säure am Ende.

Der erste Teil des Vortrags drehte sich fast ausschließlich um Spuren an Tatorten und um die Spurenträger. DNA gewinnt das Institut zum Beispiel aus Haaren, Speichel, Hautschuppen oder Schweiß. Tränenflüssigkeit beinhaltet übrigens keine DNA. Da Tränen aber über die Haut fließen, kann hier unter Umständen doch erfolgreich eine Täterspur identifiziert werden. Als bekannteste Spurenträger bezeichnete Herr Dr. Hohoff Handschuhe, Masken, Zigarettenkippen, aber auch Tatwerkzeuge, auf denen der Täter Spuren hinterlässt. Hautschuppen lassen sich auch von Autositzen, aus Klimaanlagen oder von Möbeln, Kleidung und Teppichen herausfiltern. Grundsätzlich hinterlässt jeder Mensch Spuren, auch wenn er sich noch so sehr bemüht, das nicht zu tun. Es ist immer nur die Frage, ob die Ermittlungsbehörden in der Lage sind, diese Spuren zu finden und auszuwerten. Erde an Schuhen oder an Autoreifen kann zum Beispiel auch zur Bestimmung eines Tatortes analysiert werden.

Im weiteren Verlauf erläuterte Herr Dr. Hohoff anhand von Fallbeispielen die praktische Arbeit des Instituts. Inzwischen ist ja allgemein bekannt, dass man noch nach vielen Jahren einmal gesammelte DNA-Proben auswerten kann. Aus diesem Grund sind auch heute immer wieder Fahndungserfolge zu erzielen für Verbrechen, die vor mehr als 20 Jahren begangen wurden. Die Proben sind, vorausgesetzt sie werden dunkel und trocken gelagert, nahezu unbegrenzt haltbar. Das Institut hat es aber häufig auch mit verunreinigten, also kontaminierten Proben zu tun. Bekannt ist das sogenannte „Phantom von Heilbronn“. Hier sind Wattestäbchen, die zum Einsammeln von DNA-Proben verwendet werden sollten, durch eine Mitarbeiterin in der Produktion verunreinigt worden. So befand sich immer dieselbe weibliche DNA zusätzlich auf jeder Probe. Inzwischen sind Datenbanken eingerichtet worden, die solche Kontaminationen erkennbar machen sollen. Es gibt eine Datenbank, in der ausschließlich DNA-Proben von Polizeibeamten registriert sind. Eine andere Datenbank sammelt Proben von allen Mitarbeitern in Unternehmen, die Laborausstattungen und Hilfsmittel herstellen, die bei der Spurensicherung und Spurenauswertung Verwendung finden. Anhand dieser Vergleichsproben können heute solche Vorfälle wie in Heilbronn unverzüglich erkannt werden.

Das Institut für forensische Genetik arbeitet für die Landeskriminalämter, das Bundeskriminalamt, aber auch für ausländische Regierungen wie zum Beispiel die Regierung von Großbritannien. Gegründet wurde es vor mehr als 30 Jahren von Herrn Professor Dr. Brinkmann, der zuvor an der Universität in Münster einen Arbeitskreis für forensische Genetik geleitet hatte. Zu weiteren Dienstleistungen des Instituts gehören Abstammungsprüfungen. Vaterschaftstests und Ähnliches können hier auch von Privatpersonen in Auftrag gegeben werden.

      

Alles in allem war es ein interessanter Abend und die Erläuterungen von Herrn Dr. Hohoff werden mir sicher bei dem ein oder anderen Fall in meinen Kriminalromanen eine große Hilfe sein. 



Erfahrungen mit der Polizei


Halifax, Nova Scotia und Werne an der Lippe – die Polizei, Freund und Helfer für Autoren


Neben meinen Regionalkrimis schreibe ich immer wieder auch Romane, deren Handlungsorte in Kanada oder Alaska liegen. Eigentlich spielt einer meiner Roman in Ontario an der kanadischen Ostküste. Vor fünf Jahren waren wir im Urlaub in Nova Scotia unterwegs. Und da mich einige Fragen zu den Ermittlungsmethoden der kanadischen Polizei sehr beschäftigten, habe ich kurzerhand der Polizei in Halifax einen Besuch abgestattet.

Das Headquarter der Halifax Regional Police (HRP) befindet sich in der Nähe der Zitadelle, dem historischen Fort von Halifax, das auf einem Hügel über dem Hafen liegt. Gemeinsam mit meinem Mann und meiner Freundin – bei sprechen nur relativ wenig Englisch – betrat ich das Headquarter. Der Eingangsbereich unterschied sich nicht wesentlich von größeren Polizeiwachen in Deutschland. Es gab zwei Informationsschalter, jeweils mit einer Polizeibeamtin in Uniform besetzt.

Als ich ihr erklärte, dass ich eine deutsche Autorin sei, die gern ein wenig mehr über die Ermittlungsmethoden der kanadischen Polizei erfahren wollte, fragte sie mich zuerst, aus welcher Stadt ich denn käme. Da es mir zu kompliziert war, ihr zu erklären, wo genau sich Ascheberg im Münsterland befindet, erwähnte ich die Nähe zu Dortmund. Sie lächelte und erklärte mir, ihre Familie stamme ursprünglich aus Iserlohn. Sie sei allerdings in Kanada zur Welt gekommen und spräche deshalb auch kein Deutsch. Wieder einmal bewies sich also, dass die Welt doch ziemlich klein ist. Das passiert einem nämlich speziell in Kanada relativ häufig, auf deutschstämmige Einwohner zu treffen. Sie versprach, mir zu helfen und bat uns, Platz zu nehmen.

Wenig später erschien ein Officer, der zur Royal Canadian Mounted Police gehörte. Das zeigte mir das Abzeichen der RCMP auf seinem blauen Pullover. Michael Philipps war der für Public Relations zuständige Officer. Er führte uns in einen kleinen Besprechungsraum und bat mich, ihm zu erklären, was genau ich wissen wolle.

Ich erzählte ihm kurz, wovon mein neuer Roman handelt und fragte, ob er mir etwas über die Tatortermittlung erzählen könnte. Zunächst erklärte mir Officer Philipps, dass es durchaus regionale Unterschiede zwischen Ontario und Nova Scotia gäbe. Wenn ich also speziell etwas über die Ermittlungsmethoden am Schauplatz meines Romans, Kingston in Ontario, wissen wolle, müsse ich mich an die Behörden in Toronto oder Ottawa wenden. Aber wenn es um grundsätzliche Fragen ginge, könnte er mir schon etwas erzählen.

Natürlich gab es etwas, das mich brennend interessierte. Ich bin ein großer Fan amerikanischer Krimiserien wie zum Beispiel CSI. Meine erste Frage war also, ob das, was man im Fernsehen über die Spurensicherung und Spurenauswertung zu sehen bekommt, den Tatsachen entspricht. Erstaunlicherweise bestätigte der Police Officer, dass in den Kriminallabors so gearbeitet würde und diese Serien relativ authentisch seien. Dann aber wurde es richtig spannend.

»In Kanada haben wir eine Special Blood Unit. Diese besondere Einheit der Kriminaltechnik ist in der Lage, selbst winzigste Blutspuren auszuwerten. Bei einem Kapitalverbrechen wie Mord wird immer dann die Special Blood Unit hinzugezogen, wenn es keine eindeutigen Täterspuren gibt. Diese Spezialisten sind in der Lage, Blutspuren, die miteinander vermischt sind, aufzuspalten und daraus DNA-Spuren zu sichern, die Rückschlüsse auf den Täter zulassen, falls er sich verletzt haben sollte. Außerdem ist die Special Blood Unit fähig, aus Blutspuren Fremdpartikel zu isolieren und zu analysieren.“

Diese Aussage von Michael Philipps war für mich deshalb so interessant, weil ich genau nach einer solchen Ermittlungsmethode für mein Buch gesucht hatte, mir aber nicht sicher war, ob so etwas überhaupt möglich ist. Damit hatte sich der Besuch im Halifax Regional Police Headquarter für mich schon absolut gelohnt. Aber Officer Philipps war bei Weitem noch nicht am Ende. Sehr detailliert erklärte er mir die Hierarchie der einzelnen Polizeidienststellen und gab mir Adressmaterial aus Toronto und Ottawa mit, falls ich noch weitere Informationen über die kanadische Polizei in Ontario brauchte. Außerdem bot er mir an, dass ich mich jederzeit per E-Mail an ihn wenden könne, wenn ich wieder zu Hause sei.

Die Polizei, dein Freund und Helfer, das war hier in Halifax eine absolute Tatsache. Die Informationen, die ich in dem fast einstündigen Gespräch mit Officer Michael Philipps sammeln konnte, haben mir beim Weiterschreiben sehr geholfen. Inzwischen ist mein Ethno-Thriller „Der Fluch von Fort Henry“ im Traumfänger Verlag erschienen (2013). Dieses Jahr fliegen wir wieder nach Nova Scotia. Dann bekommt Michael auch sein persönliches signiertes Exemplar.


Wieder zu Hause stellte ich mir dann die Frage, ob die deutsche Polizei wohl ähnlich kooperativ wäre wie die Kanadische. Ich war gerade dabei, ein paar Fotos in Werne an der Lippe zu machen, die ich in einen Videoclip für meinen neuesten Regionalkrimi einbauen wollte. Ein Teil der Handlung liegt natürlich auch in der Werner Polizeiwache im Bahnhofsgebäude der Stadt. Mit meiner Kamera in der Hand machte ich mich also auf den Weg zur Wache. Gerade fuhr ein Mannschaftswagen vor, aus dem fünf uniformierte Beamte ausstiegen. Einen davon sprach ich einfach an und fragte, ob ich wohl im Inneren der Wache ein paar Fotos machen könnte für den besagten Videoclip. Er bat mich, kurz zu warten, damit er mit dem Chef vom Dienst sprechen könne. Das dauerte weniger als zwei Minuten, dann wurde ich hinein gebeten.

Ich durfte die Einsatzzentrale aufnehmen, und da die Wache eigentlich keine Vernehmungszimmer mehr hat, hat man dort speziell für meine Fotos ein Büro so hergerichtet, dass es einem Vernehmungsraum zumindest ähnlich sah. Dann kam die Frage, die ich kaum erwartet hätte.

»Im Keller gibt es noch den alten Zellentrakt. Der wird zwar nicht mehr benutzt, um irgendjemanden einzusperren. Aber wenn Sie den gern sehen oder fotografieren möchten, ist das kein Problem.«

Ich war begeistert. Ein junger Beamter führte mich durch ein ganzes Labyrinth an Treppen, mal rauf, mal runter, bis wir endlich in dem Kellerbereich des Bahnhofsgebäudes ankamen, in dem sich früher die Zellen befunden hatten. Ein wenig beklemmend war das schon, aber auch sehr interessant. Natürlich war ich stets darum bemüht, keinen der Beamten mit aufs Bild zu bekommen. Ich glaube, der Chef vom Dienst wäre nicht sehr angetan gewesen, einen seiner Beamten auf einem YouTube-Video zu sehen.

              

Hilfsbereit waren sie aber allemal, die Werner Polizisten und hinterließen bei mir damit einen ebenso positiven Eindruck wie Officer Michael Philipps von der Polizei in Halifax. Eines haben diese beiden kleinen Ausflüge in den Polizeialltag mir aber auch sehr deutlich gemacht. Es ist gar nicht schwierig, realitätsnah zu recherchieren und Antworten auf Fragen zu bekommen, die man als Autor von Kriminalromanen nun mal hat. Ein offenes Wort und eine höfliche Anfrage sind eigentlich alles, was notwendig ist. 


Literatur für Nigeria

 

Die Ruhr-Universität in Bochum ist derzeit darum bemüht, eine germanistische Bibliothek an der Universität von Nsukka in Nigeria zu etablieren. Der Germanistikprofessor Björn Rothstein sammelt aus diesem Grund deutschsprachige Literatur.

 

Weitere Informationen über das Projekt können unter der folgenden E-Mail-Adresse angefordert werden:

bibliothek-nsukka@ruhr-uni-bochum.de

 

Booknews hält dieses Engagement für wichtig und bittet alle Leser um aktive Mithilfe.
            

 

 

    Nachlese:

 

Der Zuspruch war überwältigend. Wir haben teilweise inmitten von 20 und mehr Bücherkisten gewohnt und die Ruhr-Universität musste mehrfach mit einem Transporter zu uns kommen, um die Bücherspenden abzuholen. Vielen Dank an alle Spender.